Für das Klima

Artenschwund und Klimawandel haben gleiche Ursachen in unserer Landschaft: begradigte, ungeschützte Flächen, über die trockener, heißer Wind ungebremst fegt und auch das letzte Wasser mitnimmt. Da ist weder Hecke noch Saum im Weg, keine Obst-Allee spendet Schatten und Feuchtigkeit.

Unsere Landschaft hat sich verändert: Wo früher Felder, Wiesen und Wälder waren, findet man heute Getreide- und Maisäcker, Heu- , Silageäcker und Holzäcker ordentlich sortiert. Entlang dieser Flächen herrscht strenge Hygiene und im Rahmen der Feldhygiene wird zuallermeist alles abgemäht, noch bevor die Blüten Früchte tragen, oft sogar vor der Blüte. Beikrauter und Unterholz werden in Arbeitsstunden und Ertrag umgerechnet. Fallobst gibt es in unserer ordentlichen Welt auch in Gärten eher selten. Dort sind Obstbäume niedrige veredelte Sträucher; Hochstammobst oder mehrstämmige Pflaumen, die CO2 binden, sieht man nicht mehr. Alles wird zum Rasen gestaubsaugt.

Doch die Böden heizen nicht nur auf, weil überall in dieser Friedhofslandschaft der Schatten fehlt. Sie sind auch zu trocken geworden. Rinnsale und Bäche wurden begradigt und alle Gewässer werden zur Erhöhung der Abflussgeschwindigkeit entsprechend unserer Gesetze entkrautet. Mehr und mehr Flächen wurden zu Trockenäckern, auf denen ebenfalls kein Obst mehr Schatten spendet.

Unsere Straßen und Dächer sind abgedunkelt als wären wir im Krieg und wo gebaut wird, leitet man jedes Wasser so schnell wie möglich ab; Carports und Zufahrten sind abgedichtet. Beete werden foliert und abgedeckt, damit bloß kein Kräutlein dort wächst. Wege werden grundsätzlich versiegelt, obwohl es das oft gar nicht braucht. Waldwege sind gerade und werden mehr und mehr zu Forstautobahnen, wo einst bemooste und lebendige Pfade waren.

Aber wir können das ja wieder anders machen: Rasengitter in Einfahrten und kleine Tümpel im Garten fürs Dachwasser erhalten die Verdunstung der Flächen und liefern umso mehr Verdunstungskälte, je heißer es wird. Dort gibt es dann auch wieder Kräuter für Insekten und Plätze für Amphibien, die Kinder können wieder Kaulquappen zusehen.

Begrünte Balkone und Fensterbänke liefern Verdunstungskälte und mit Gemüse und Kräutern Nahrung für Menschen und Insekten. Wenn über den Winter dann noch die trockenen Halme stehen bleiben dürfen, bleiben auch noch Überwinterungsplätze und Nestbaumaterial.

Gewässer werden in Deutschland entkrautet, um ihre Fließgeschwindigkeit hoch zu halten. Bewuchs in Wassergräben entlang Verkehrswegen wird kurz gehalten – auch hier für einen schnellen Wasserabfluss. Im Klimawandel mit punktuellen Schwerstniederschlägen und häufig extremer Hitze und Trockenheit wird das zum Problem. Alles Wasser läuft sehr schnell in die Zusammenflüsse und bildet dort Flutwellen mit hohem Wasserdruck und richtet schwere Schäden an. Danach ist keins mehr da und die Landschaft vertrocknet.

Wenn es in den Oberläufen langsamer abläuft, verringert das Fluthöhe und Wasserdruck, es verbleibt länger auf landwirtschaftlichen Flächen, die von schweren Traktoren geradezu betoniert sind und die eben lange brauchen, um Wasser aufzunehmen. Entlang der kleinen Rinnsale liegen dann große Flächen, die keinen Schaden nehmen, besser durchfeuchtet statt braun im Sommer sind und durch Verdunstung die Landschaft kühlen. Biber und anderes Getier findet Nahrung im Wasser und der Freßdruck auf Landpflanzen und Uferbäume ist geringer. Libellen finden genug Halme im Wasser für ihre Eiablage und verhindern Mückenplagen. Und entlang der Straßengräben finden Insekten und Kleintiere wieder Nahrung. Auch hier ist Klima- und Artenschutz ein und dasselbe.

Das ist auch beim Biber so: Wenn Biber entlang kleiner Gewässer Tümpel ab 1,5 m Wassertiefe finden, siedeln sie sich dort an, wo ihre Staubecken in ohnehin für die Heugewinnung ungeeigneten Flächen keinen Schaden machen und ihre Wasserrückhaltung stabilisiert den Grundwasserspiegel, der in den letzten Jahren bedenklich gesunken ist. Verdunstungskälte kühlt die Landflächen herunter. In die Gewässer gepflanztes Pfeilkraut liefert mit seinen Wurzelknollen Wintervorräte, die auch für Menschen essbar sind.